Johanna Hochholzer

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Vorwort

Lange wird man sich an die Ausstellung von Arbeiten der Künstlerin Johanna Hochholzer in den Räumen der Kunststiftung Kunze erinnern. War bei der Konzipierung vorauszusehen, dass sie anders verlaufen würde als alle anderen zuvor? War schon greifbar, dass sie unter einem anderen Stern stehen würde? Nein, keinesfalls. COVID 19 oder auch Corona haben dieser Ausstellung den Stempel aufgedrückt. Allein schon die Dauer von Februar 2020 bis September 2021 zeigt, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugegangen ist. Schon kurz nach der erfolgreichen Eröffnung machte der allgemein verordnete Corona-Lockdown auch vor dem Kunstraum Kunze nicht halt. Die Ausstellung versank im Dornröschenschlaf, bis sie im Juli 2021 wieder „zum Leben erweckt wurde“. Hieran wird man sich immer erinnern, und insoweit hatte der Titel der Präsentation „Memorabilia“ etwas von einer Vorhersehung.

„Memorabilia“ steht laut Wikipedia für Gegenstände, die der Mensch aufbewahrt, da sie einen sentimentalen Wert in sich tragen. Sie erfüllen eine mentale Funktion, die eng mit nostalgischen Emotionen verbunden ist und dienen Personen, sich Lebensereignisse ins Gedächtnis zu rufen und zu erhalten.

Der Titel der Ausstellung macht damit deutlich, womit die in Berlin lebende junge Malerin sich vorrangig in ihrer Arbeit auseinandersetzt. Es sind Erinnerungsstücke, die sie beschäftigen und faszinieren, die leicht zu übersehenden Dinge, beiläufige Begebenheiten, skurrile Situationen. Diese werden zu Motiven, um so ihre Flüchtigkeit festzuhalten und vor dem Vergessen zu bewahren, aber isoliert als Ausschnitt und Momentaufnahme, nicht als Gesamtsituation. Es sind Erinnerungen von Reisen, die sie beispielsweise nach Marokko unternommen hatte; gleichermaßen entdeckt der Betrachter schnell Gegenstände des täglichen Lebens, auf die man in der Realität einen Blick wirft und die sich dann in das Gedächtnis einbrennen – ­mit welchen Gefühlen und Gedanken auch immer.

Die Arbeiten von Johanna Hochholzer drängen sich nicht auf. Die einzelnen Sujets stehen ruhig, nahezu isoliert auf der Leinwand, nicht zwangsläufig thematisch verbunden, eben einfach collagiert. Die farbigen Erinnerungsstücke, gemalt mit Öl, Sprühfarbe oder Bleistift, finden sich auf einem im Regelfall weißen, teils mehrfach geschichteten Untergrund wieder. Die Formate variieren; mal großformatig Wand einnehmend, mal handliche Einzelmotive auf Leinwand oder auf Papier.

Die Kunststiftung Kunze wurde auf Johanna Hochholzer durch die Beirätin der Stiftung, Prof. Leiko Ikemura, aufmerksam, die bei ihr als Meisterschülerin an der Universität der Künste Berlin studierte. Die Ausstellung im Kunstraum rundete die einjährige Förderung in Form eines Stipendiums ab. Bei den präsentierten Arbeiten handelt es sich um Werke, die vor und während der Zeit der Förderung entstanden sind.

Hans-Peter Kunze
Vorsitzender

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